Doppelheft zum Thema:
Jahrgang 27 (2012) Heft 4
"Kitsch . . ."
Jahrgang 28 (2013) Heft 1
". . . und Kult"

Inhalt: Heft 4/2012 "Kitsch . . ."
Abstract: Der Beitrag aktualisiert und erweitert die Kitsch-Thesen des Autors aus dem Jahre 1998. Vorgeschlagen wird eine alternative Sicht auf Kitsch-Phänomene, die nicht die ästhetische Minderwertigkeit von Objekten, sondern den existenziellen und alltagspraktischen Wert für die Kitsch-Gebraucher in den Mittelpunkt rückt. Kitsch wird verstanden als Ästhetik vergessender Zustand, der mit Harmoniebedürfnissen korreliert. In diesem ANDEREN Zustand, der sich vom normalen Alltagserleben unterscheidet, empfindet das Subjekt echte und intensive Gefühle von Liebe und Geborgenheit, die von Kitsch-Objekten ausgelöst werden und/oder zur Produktion von Kitsch-Objekten führen. Das Kitsch-Erleben wird gratifiziert – und darin liegt die neue Zuspitzung der Theorie – durch moralische Glückseligkeit, die den Kitsch mit dem Wunsch verzahnt, tugendhaft zu sein und Gutes zu tun. Abschließend werden Anwendungsperspektiven der Kitsch-Theorie für die kommunikationswissenschaftliche Unterhaltungsforschung diskutiert.
Abstract: Der schwerpunktmäßig behandelte Vollzeit-Bachelorstudiengang „Journalismus und Public Relations (PR)“ wurde mit WS 2008/09 an der FH JOANNEUM etabliert und ist der Nachfolger des mit WS 2002/03 gestarteten Diplomstudiengangs „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Beide Studiengänge verstanden/verstehen sich als duale Ausbildungsprogramme, deren Selbstverständnis sowohl in Schnittmengen als auch in Abgrenzungen der zwei unterschiedlichen Materien basiert. Neben einen historischen Rückblick auf den Diplomstudiengang und einer detaillierten Wiedergabe des derzeit gültigen Studienplans beschäftigen sich die Verfasser einerseits mit den AufnahmewerberInnen-, Studierenden- und AbsolventInnenzahlen, andererseits mit der am Studiengang geleisteten Forschung von Lehrenden und Studierenden und geben schließlich einen Ausblick auf einen zu entwickelnden Masterstudiengang.
Abstract: Im Beitrag wird zunächst gestützt auf die Habilitationsschrift der Autorin der Kitsch über die drei Zugänglichkeitskategorien (sozial/medial, kognitiv und emotional) gegenüber verwandten Diskursen (Trivialität, Banalität) abgrenzt und als Diskurs gekennzeichnet, der leichte emotionale Zugänglichkeit abwertet. So lässt sich das paradox anmutende Phänomen nachvollziehen, dass bestimmte Literatur einerseits als „kitschig“ und nicht lesenswert gebrandmarkt wird, andererseits jedoch häufig eine große Leserschaft findet. Auch Komik und Humor als häufige Reaktion auf Kitsch lässt sich durch das Wechselspiel von reflexartig aktivierten Reaktionen und nachträglicher rationeller Distanzierung verstehen. Anhand ausgewählter Kritiken über Lyrik des 18. Jahrhunderts (Schiller über Gottfried August Bürger) sowie des 19. Jahrhunderts (Kritiken zu Friederike Kempner) kann anschließend exemplarisch gezeigt werden, wie es zu diesem Wechselspiel aus emotionaler und rationeller Rezeption kommt und wie die Verbreitung und Stabilisierung des Kitschdiskurses über andere Medien (Zeitschriften usw.) erfolgt.
Abstract: Anspruchsvolle moderne Kunst ist kritische Kunst, wer wüsste das nicht? Gerade aber, weil das alle wissen, wird selten bedacht, dass sich Avantgarde-Kunst damit ein Problem einhandelt: sie steht zunehmend unter Hochleistungs- und Konkurrenzdruck wie viele andere gesellschaftliche Sphären auch – und deshalb ist sie zumindest in dieser zentralen Hinsicht nicht „kritisch“, sondern „affirmativ“, nämlich denselben Impulsen verschrieben und verpflichtet wie andere soziale Teilsysteme auch. Das ist die Chance für Kitsch - Kitsch ist der wahre Aussteiger aus den Zwängen der Avantgarde, Kitsch versteht sich auf die Kunst der Unterbietung.
Abstract: Kitsch bleibt in der Diskussion, Kitsch erreicht endlich auch Akzeptanz in jener Disziplin, die sich mit der Alltagskultur beschäftigt und früher Volkskunde bzw. Europäische Ethnologie hiess. Der Beitrag zeichnet den langen Verdrängungsprozess von Kitsch nach und stellt heraus, wie dieser im Zuge eines revidierten Fachverständnisses ab den 1960er Jahren allmählich Alltagsrelevanz erreichte und frühere Moralpositionen rund um das angeblich ”Echte” überwand. Dabei zeigt sich, wie fruchtbar sich Theorien und Konzepte aus benachbarten Fächern erweisen und auf das Alltagsleben übertragen lassen. Die Bestimmung diesbezüglicher Positionen mündet in die These, derzufolge Kitsch keine Objektqualität ist, sondern als selbstgenüsslich gefühliger Erlebnismodus (Jürgen Grimm) zu fassen bleibt, zu dem es in alltäglichen rührigen Mustern, Konfigurationen, Dispositionen und inneren Bildern kommt. Kitsch gehört in eine populäre Gefühlskultur, die neu auszumessen ist, abseits einer elitären Geschmacksdebatte.
Abstract: Aus der Perspektive der Hochkultur wird der Kitsch gerne in Gegensatz zur Kunst gesetzt und als minderwertig abgetan. Der irische Autor James Joyce zeigt allerdings einen unvoreingenommenen Blick darauf, er weiß um seine Wirkungskraft und setzt ihn in seinen ohnehin oft parodistischen Texten gezielt ein. Diesem Grenzgang gilt Teil I des Aufsatzes im ersten Teil dieses Hefts. Es bleibt auch einem Künstler wie Joyce nicht erspart, selber Teil der Kitschkultur zu werden, ins populäre Bewusstsein hinab zu steigen und in einigen Kreisen besonders Begeisterter auch Kultstatus zu erlangen. Als Autor, der Wahrnehmungsvorgänge, und damit auch Prozesse der Angleichung an eigene Fantasien, immer wieder in Szene setzt, thematisiert er schon einen Hergang, der in der Kultpraxis besonders dominiert.
Rezensionen
- Stefanie Averbeck-Lietz: Claudia Riesmeyer/ Nathalie Huber: Karriereziel Professorin. Wege und Strategien in der Kommunikationswissenschaft. Reihe: Theorie und Geschichte der Kommunikationswissenschaft, hrsg. von Michael Meyen), Köln: Halem 2012, 326 Seiten.
- Roland Burkart: Ulrich Saxer: Mediengesellschaft. Eine kommunikationssoziologische Perspektive. Wiesbaden: Springer VS 2012, 968 Seiten.
- Christian Schemer: Nicole Podschuweit: Warum Wahlwerbung schaden kann. Wirkung von Parteienwerbung im Kontext der Medienberichterstattung. Konstanz: UVK Verlag 2012, 360 Seiten.
Inhalt: Heft 1/2013 ". . . und Kult"
Abstract: Im zweiten Teil des Hefts, der sich dem Thema des Kults widmet, interessiert als Fortsetzung der Kult als Geschehen, als Aneignung und als Gemeinschaft bildende, kommunikative Praxis, und die Joyce-Kultifizierung wird anhand einiger Beispiele illustriert. Der Kult, so der Vorschlag, spielt eine grenzüberwindende Rolle zwischen den aus dem Untergrund agierenden Kräften, aus denen sich der Kitsch speist, und den eher hochfliegenden Sphären der Kunst.
Abstract: Der Weg zum filmischen Klassiker, zum anerkannten, kanonisierten Titel ist oft wortreich umkämpft, disziplinübergreifend umfehdet – und somit steinig in mehr als nur einer Hinsicht. Innerdisziplinäre Theoriegefechte erschweren dabei konstruktive Diskussionen um Wiederentdeckungen, Kanonisierungsbestrebungen und fragwürdige Exklusionshaltungen. Ein erweiterter Archivbegriff, der sich vom ohnehin zu verabschiedenden Projekt einer Progressionsgeschichte zu lösen und sich in seiner Anwendbarkeit als intellektuelllogistisches, politisch wie ethisch abgefedertes Instrument versteht, hat sich dahingehend vielfach als hilfreich erwiesen. In der Reflexion der archivalischen Rahmenbedingungen, die gleichermaßen die physische Überlieferung des jeweiligen Objekts als auch die diskursiven Verknüpfungen und historischen Kontexte berücksichtigt, liegt ein Vorteil, der einer lebendigen, möglichst detailreichen Erschließungs- und Vermittlungsarbeit zuträglich ist. Michael Powells PEEPING TOM (1959), mit seiner verstörend-schockierenden Geschichte über einen serienmordenden Kameramann, ist ein als klassisch zu bezeichnendes Beispiel für den Wandel in der Rezeption eines filmischen Werks und die Notwendigkeit bzw. positive Effektivität archivgestützer (Wieder-)Entdeckungsarbeit. Unter Rückgriff auf archivtheoretische und psychoanalytisch motivierte Theoriemodelle, sowie unter Einbindung historischer Quellen, soll hier, aufbauend auf einschlägigen Vorarbeiten (vgl. Ballhausen, 2005a; Ballhausen, 2008; Ballhausen, 2012), der titelspendende Weg zum „Klassiker“ anhand eines ursprünglich heftig abgelehnten Beispielfilms skizziert und vorgestellt werden.
Abstract: Dieser Aufsatz blickt auf digitale Medientechnologien aus Perspektive der Kultur- und Sozialanthropologie. In einem wissenschaftstheoretischen und historischen Abriss werden einerseits Eckpunkte in der Entwicklung relevanter Forschungsfelder, wie die Anthropologie und Ethnographie der Medientechnologien, die Digitale Anthropologie sowie die Anthropologie der Cyberkultur behandelt. Andererseits werden zwei Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis vorgestellt, die digitale Technologien als materielle Kultur verstehen. Technologie als materielle Kultur erlaubt es die Materialität und die Normativität von Technologien ebenso zu fassen wie deren alltägliche Aneignung in wandelnden soziokulturellen, politischen und ökonomischen Kontexten. Der Aufsatz schließt mit einer Diskussion der Fetischisierung von Technologien, deren Bedeutung und Zusammenhänge.
Abstract:Der folgende Beitrag widmet sich dem Kult um Wissenschaftler ausgehend von selbst geschaffenen und medialen Bildern dieser Diskursebene. Empirische Befunde zu diesem an sich rationalen Beruf in Nachrichtenmagazinen, Spielfilmen und Comics konstatieren verschiedene Typen des Wissenschaftlers – vom professionellen Experten bis zum genialen Helden – und evozieren so die Frage, wie Images inner- und außerhalb des Populärkulturellen entstehen. Mit den Cultural Studies gedacht formieren sich im Kult um Wissenschaftler kleine, exklusive bis exkludierende Gemeinschaften, wie anhand von Stuart Hall, Niklas Luhmann und Herbert Marcuse gezeigt wird. Das Kult-Dispositiv entwickelt durch diese Communitys sowie durch die Macht des Wissens per se eine auch von Foucault attestierte positive Machtdynamik.
Rezensionen
- Heinz P. Wassermann: Melanie Magin: Wahlkampf in Deutschland und Österreich. Ein Langzeitvergleich der Presseberichterstattung. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2012 (= Medien in Geschichte und Gegenwart, Bd. 28), 360 Seiten.
- Christian Schwarzenegger: Hartmut Wessler / Michael Brüggemann: Transnationale Kommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Springer 2012, 215 Seiten.
- Erik Koenen: Emilie Altenloh: Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmung und die sozialen Schichten ihrer Besucher. Neu herausgegeben von Andrea Haller, Martin Loiperdinger, Heide Schlüpmann. (= KINtop Schriften. Materialien zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9) Frankfurt/Main, Basel: Stroemfeld Verlag / Roter Stern 2012, 102 Seiten
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